Kenya 2012 - Besuch in der Schule * Safari * Ferien am Meer

Freitag 28.09.12

Mit der S-Bahn fahren Luzie und ich zum Flughafen Berlin Tegel. Beim Check-in erfahren wir, dass wir 8 kg Übergepäck im großen Koffer haben. Der Angestellte am Schalter ist sehr nett und drückt alle Augen zu, als ich ihm erzähle, dass mein Übergepäck in Kenya bleiben wird, da es für unsere Schule ist.

Der Flug nach Frankfurt läuft reibungslos. Wir begeben uns zum nächsten Gat und warten dort auf Hanna, Lilly und Selina aus der Schweiz obwohl das Boarding bereits begonnen hat.

Jetzt wird mir bewusst, dass ich ohne sie hilflos in Kenya wäre und wahrscheinlich nicht weiterfliegen würde. Die Maschine aus Zürich hat so viel Verspätung, dass die Drei schon bei der Landung erwartet und mit dem Auto zum nächsten Gat gefahren werden. Als sie kommen fällt mir ein Stein vom Herzen.

 

Samstag 29.09.12

Nach 7,5 h Nachtflug landen wir in Nairobi, eine Stunde später in Mombasa.

Guter Dinge stehen wir ungefähr 1 h an der Passkontrolle. Von dort aus können wir das Kofferband sehen. Meine Koffer fahren mehrmals durch mein Blickfeld, die Koffer meiner 3 Schweizer leider nicht!

Passkontrolle geschafft – Schweizer Koffer sind nicht da! Meine Meinung "Stellt Euch vor Eure Koffer wären hier und Ihr nicht - das wäre viel schlimmer!"

Es dauert wieder eine kleine Ewigkeit bis wir mit unseren deutschen Koffern ins Transferauto nach Voi steigen.

Die Fahrt durch Mombasa erinnert mich ein wenig an Cuba, dort war ich im Sommer, dadurch bin ich nicht gleich schockiert.

Nach gefühlten mehreren Stunden erreichen wir die Sagala Lodge und sehen schon von weitem, wie wir gleich herzlich mit Musik, frischen Handtüchern und einem Cocktail empfangen werden.

 

 

Sagala Lodge
Sagala Lodge

Unseren Aufenthalt beginnen wir mit einem Mittagessen. Gleich im Anschluss fahren wir in die Schule.

Die erste Begegnung mit Nyamula ist sehr schüchtern. Die Kinder führen für uns ein kleines Programm vor, dann dürfen sie wieder spielen. Der Unterricht ist an diesem Tag ist beendet. Nyamula läuft uns über den Weg. Als ich sie freundlich anspreche kommt sie gerne mit zu einem Termitenhügel, den sich Luzie angucken will. Alle Kinder sind sehr interessiert an uns und an allem.

Als kleine Idee habe ich bunte Herbstblätter mit nach Kenya gebracht. Es ist eine Attraktion, denn in Afrika gibt es die Jahreszeiten nicht und so wachsen unsere Blätter an einem „Magictree“, es muss Magie sein, anders können sie es sich nicht vorstellen.

Nach dem Abendessen gehen wir gegen 20:45 Uhr schlafen. Wir sind durch den langen Flug und die vielen Eindrücke sehr müde.

 

Sonntag 30.09.12

Ausgeruht nach einer durchgeschlafenen Nacht werden wir durch Vogelgezwitscher wach. Nach dem Frühstück gehen wir mit Nikolas in den anliegenden Wildpark. Gleich zu Beginn sehen wir eine Familie Oryxe. Sie haben ein Junges. Die Angestellten der Lodge haben es „Liliane“ genannt, nach unserer Lilly aus der Schweiz. Sie ist jetzt das 4 x in diesem Jahr hier in der Sagala Lodge. In der letzten Nacht müssen Elefanten hier gewesen sein, wir sehen ihre Fußspuren im Sand und fußballgroße Darmendprodukte im Gras liegen. Wasserböcke und Antilopen können wir auch gut sehen, so wie das Zebra „Miracle“.

Liliane das Oryxbaby
Liliane das Oryxbaby

Danach gehen wir an den Pool, es ist heiß geworden.

Als wir zum Mittag wollen, kommen bereits unsere Kinder. Wir haben 10 Kinder aus der Schule zum Baden im Pool eingeladen. Sie warten ganz diszipliniert am Pool auf uns. Mir ist es so peinlich, aber mir wird immer wieder versichert, dass die Kinder das nicht schlimm finden – sie sind langes Warten gewohnt. Sie sind so süß!

Dann geht es los – das gemeinsame Baden im Pool. Die eben noch schüchternen Kinder sind ausgelassen und freuen sich wie verrückt. Wir haben eine Luftmatratze mitgebracht. Dort legen wir die Kinder quer drüber und ziehen sie durchs Wasser. Sie strampeln mit den Beinen und freuen sich uns nasszuspritzen. Kein Kind kann schwimmen, aber wir passen alle gut auf und so ist es ein Spaß für uns alle.

 

Als wir fertig sind hole ich eine Tüte Süßigkeiten und verteile sie an die Kinder.

Wir sitzen noch gemütlich am Pool zusammen. Das Interessanteste für die Kids ist mein Handy. Sie drängen sich dicht um mich und schauen sich alle Fotos und Filme auf meinem Handy an. Luzie haben sie auch schon ins Herz geschlossen. Immer wenn ein Bild mit Luzie kommt freuen sie sich und sagen fast im Chor „Luzie“.

Luzie selbst ist ebenfalls sehr angetan von den Kindern und hat Spaß daran, wie man den Kindern die Freude ansieht. Sie kommt sogar zu mir gelaufen und sagt: „ Erst fand ich es ja nicht so toll mit einem Patenkind aber jetzt finde ich es richtig gut. Die freuen sich so!“

Ich bin glücklich hier zu sein und auch über Luzies Sinnenswandel.

Auch dieser Tag endet recht schnell nach dem Abendessen.

Die Eindrücke sind viel, schön und sie machen müde.

 


Montag 01.10.12

Der Tag beginnt mit leichtem Regen. Trotzdem spazieren wir durch die Sagala Lodge und erkunden die Umgebung. Am späten Vormittag kommen endlich die verloren gegangenen Koffer – alle sind happy.

Zum Mittag fahren wir nach Voi. Nach dem Essen in einem Restaurant macht Luzie die erste Bekanntschaft mit einer landestypischen Toilette – dem Loch im Fußboden. Sie benutzt es nicht. Wir laufen durch Voi und kaufen ein.

Auf dem Rückweg fahren wir wieder in die Schule. Liliane hat heute ihren 8. Geburtstag und so sehen wir wie die Kinder gefeiert werden.

 


Dienstag 02.12.12

Gleich nach dem Frühstück zeigt uns Fredrick den Neenbaum. Mit den Ästen des Neenbaums kann man sich die Zähne putzen. Er hilft gegen 40 verschiedene Krankheiten. Wir machen mit, Luzie findet es sogar toll.

 

Dann fahren wir wieder in die Schule. Die Kinder schreiben gerade ein Examen für 1,5 h. Als es zum Mittag eine Suppe aus Mais und Bohnen gibt probieren wir mutig. Leider schmeckt es uns nicht. Ich schäme mich, denn alle Kinder haben alles aufgegessen und wir geben unser Essen zurück, weil es uns nicht schmeckt.

Die Kinder veranstalten für uns am Nachmittag ein Handballturnier. Es ist phantastisch. Am Spielfeldrand postieren sich die Jungen auf der einen und die Mädchen, in der Anzahl weit überlegen, auf der anderen Seite.

Während des gesamten Spiels singen sie und feuern ihre Mannschaften an.

Wer gewonnen hat weiß ich nicht. Als Belohnung bekommen alle Spieler eine Tüte Milch.

 

Ich frage Nyamula ob sie mit mir ein paar Bänder flechten möchte. Es dauert nicht lange, da stehen sehr viele Kinder um mich herum. Ich habe eindeutig zu wenig Bänder mitgebracht. Mich beeindrucken diese Kinder immer wieder aufs Neue.

Sie sind gegenseitig sehr hilfsbereit und diese Disziplin – in Deutschland undenkbar!

 

Nyamula sagt mir leise irgend etwas von „Birthday“ und ich frage:“ Do you want to say me what do you wish you to birthday?“ sie antwortet „Cake“ Sie wünscht sich eine Torte =0) Ich habe Annedore gleich gefragt ob wir ihr diese Wunsch erfüllen können. Annedore ihr "Natüüüüürlich" ist einmalig =0)

Auf dem Rückweg zur Sagala Lodge sehen wir das erste Mal Elefanten sehr nah an der Straße und richtig viele.

 

Mittwoch 03.10.12

Wir haben 2 aufregende Tage Safari mit einer Übernachtung in der Lions Bluff.

 

Freitag 05.10.12

Ausgeruht beginnen wir den Tag. Nach dem Frühstück fahren wir mit Annedores Auto in die Schule. Das Herstellen eines Gruppenfotos nimmt gefühlte mehrere Stunden in Anspruch. Zwischendurch muss Annedore unvorhergesehen nach Voi und so ändern sich alle Pläne auf einen Schlag.

Die Kinder sollen einzeln fotografiert werden. Selina und Luzie möchten gern shoppen und so fahre ich mit ihnen schon mal mit dem Taxi nach Voi. Dort treffen wir wieder Annedore und da das "schnelle" Essen in Afrika Stunden dauern kann, kommen wir zu unserem geplanten Shoppen leider nicht.

Als Lilly und Hanna kommen erledigen wir die Einkäufe für die Schule. Teller, Tassen, Radiergummis, Stifte ...

 

Luzie zählt 40 Teller
Luzie zählt 40 Teller
Einkäufe für die Schule
Einkäufe für die Schule

Wir besuchen noch den Schulpräsidenten – das ist etwas ganz Besonderes.

Er hat unserer Schule bereits mehrmals unbürokratisch geholfen.

 

Hanna, Mr. Machora, Annedore, Lilly
Hanna, Mr. Machora, Annedore, Lilly

Dann geht es wieder kurz in die Schule. Die Kinder sind am Putzen, denn morgen ist Besuchertag.

 

Samstag 06.10.12

Gleich nach dem Frühstück fahren wir in die Schule. Heute ist Besuchertag.

Als wir ankommen, sind zu unserer Überraschung Doris und Patrick aus Berlin zu Besuch. Wir haben sie während unserer Safari kennengelernt und spontan zum Besuchertag eingeladen vorbeizukommen. Doris ist ebenfalls Lehrerin.

Jeden 1. Samstag im Monat, so wie heute, besuchen die Familien ihre Kinder in der Schule, denn die Kinder sind immer 3 Monate lang in der Schule und 1 Monat zu Hause.

Heute bin ich besser vorbereitet, denn ich habe ganz viel bunte Wolle in Voi gekauft und flechte daraus mit den Kindern Ketten und Armbänder.

Manchmal ist es gar nicht so einfach der Vielzahl von Kindern gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken.

Abtinur, der älteste Junge der Schule, hilft mir dabei die große Menge der kleinen Menschen gerecht zu bedienen. Aus vorherigem „Me, me, me...“ wird plötzlich „Abti, Abti, Abti....“ Jeder will der Nächste sein und seine bunten Bänder bekommen.

Aus Papier basteln wir „Himmel & Hölle“ und schreiben dort Dinge rein wie „You are so beautiful “, „You are crazy“, „Kiss me“, „Give me a smile“

Die Lehrer fragen mich, ob ich nicht da bleiben will =0)

Nyamula sucht heute geradezu meine Nähe. Sie fordert mich mehrmals auf Fotos von sich und ihrer besten Freundin Esther zu machen.

 

Esther & Nyamula
Esther & Nyamula

Leider ist heute unser letzter Tag in der Schule und so verlassen wir nach einem wunderschönen Tag, mit dem Versprechen im nächsten Jahr wieder zu kommen, die Kinder und Lehrer.

 

Abschiedsfoto in der Sagala Lodge
Abschiedsfoto in der Sagala Lodge

Am nächsten Tag fahren wir nach Mombasa ans Meer. Dort haben wir dann noch 6 Tage europäischen Standard im Hotel und einen traumhaften weißen Sandstrand. Alles ist wunderschön und komfortabel.

Nach den Erlebnissen der letzten Tagen sehe ich diesen Komfort aber mit anderen Augen.

 

Es sollte nicht immer alles so selbstverständlich hingenommen werden.